Montag, 6. Oktober 2014

Anekdote der Woche


Zusammen durch dick und dünn
Vergangenen Donnerstag lief in der ARD ein Film über Ex- Bundeskanzler Gerhard Schröder. Richtig informativ war dieser nicht. Ich hatte mir erhofft, dass Reinhold Beckmann etwas über Schröders fragwürdige Beziehungen zu Russland und Wladimir Putin aus ihm heraus kitzeln könnte. Herr Schröder blieb bei diesem Thema stumm. Seine dubiosen Geschäfte mit Russland sind zwar offensichtlich, so wirklich darüber reden möchte der Bundeskanzler a.D. aber doch nicht.

Schröder machte sich in seiner Amtszeit für die Energiekooperation mit Russland stark und fesselte Deutschland für Jahrzehnte an Russlands Gasexporten. In Zeiten der Energiewende noch einmal mehr. 2005 gründete Schröder zusammen mit Russlands Präsident Putin das Gemeinschaftsunternehmen Nord Stream AG, welches den Bau der Ostseepipeline möglich machte. Durch die Pipeline kann der russische Energiekonzern Gazprom ohne Umwege über Drittländer Gas von Russland nach Deutschland liefern. Herr Schröder ist heute Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG. Gazprom hält 51% der Anteile an der Firma. Das kann kein Zufall sein.

Anscheinend fühlen sich SPD- Genossen allgemein sehr wohl bei russischen Unternehmen. Henning Voscherau, ehemals Bürgermeister von Hamburg und SPD- Mitglied, ist seit 2012 Vorsitzender des Unternehmens South Stream, das eine Pipeline von Russland nach Italien durch das Schwarze Meer baut. Größter Anteilseigner ist natürlich Gazprom. Der Bruder von Henning Voscherau, Eggert Voscherau, sitzt im Aufsichtsrat des Chemieriesen BASF. Über die Tochtergesellschaft Wintershall ist BASF wiederum an South Stream beteiligt. Vetternwirtschaft auf höchstem Niveau.

Ein weiterer Lobby-Kandidat ist Wolfgang Clement. Das ehemalige SPD- Mitglied war im Kabinett Schröders als Wirtschaftsminister tätig. Kurz bevor er sein Amt ablegen musste, bewilligte er eine Bürgschaft für einen Kredit über eine Milliarde Euro an Gazprom. Im Anschluss an seine Politiker- Karriere nahm er einen Job bei dem russischen Energieberatungsunternehmen „Energy Consulting“ an, die, man mag es kaum glauben, auch Gazprom als Kunden hat.

Am vergangenen Mittwoch sagte Gerhard Schröder auf dem Russlandtag in Rostock, dass er die Sanktionen des Westens für falsch halte, und die Sanktionen beiden Seiten immens schaden würden. Auch Gazprom ist von den EU- Sanktionen betroffen. Das Gazprom- Gas fließt dennoch weiter durch Schröders Ostsee- Pipeline.


Nach Angaben des STERN stehen mittlerweile über 120 Personen auf der Sanktionsliste des Westens.   In Russland gehört es fast zum guten Ton auf der Liste zu stehen, sonst sei man keine wichtige Person. Herr Schröders Kritik am Westen könnte an seiner schlechten Laune liegen, da er nicht zum elitären Bekanntenkreis der Sanktionsliste gehört. Ein potentieller Anwärter wäre er allemal.




Bild: By TOM Beam [CC BY 2.0], via Flickr

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